Wissenswertes über Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen Verfasserin: Mariatu Rohde
Ziele: Integration von Afrikanern Bekämpfung der Genitalverstümmelung Schutz unserer Töchter und Frauen Ferien ohne FGM Wer sind wir? Was wollen wir? Wir sind engagierte afrikanische und deutsche Frauen,
darunter eine Ärztin und Expertin zum Thema weibliche Genitalverstümmelung.Vorrangiges Ziel von DAFNEP ist der Einsatz für verstärkte Integration und gegen FGM bei Afrikanern in Berlin und Deutschland. Afrikanische Frauen mit
den notwendigen sozio - kulturellen Kenntnissen beraten Afrikanerinnen und deren Familien über FGM in verständnisvoller Weise. Dabei streben wir enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Afrikanern und afrikanischen
Communities an. Wir geben Hilfe und Beratung für von FGM betroffenen oder bedrohten Mädchen und Frauen Familien in sachkundiger und diskreter, auch anonymer Weise. Wir bringen uns dafür ein, und Aufklärung und
Bekanntmachung des FGM Problems im Netzwerk mit gezielter Partnerschaft und Öffentlichkeitsarbeit mit Medien, Frauenorganisationen, Politikern. Öffentlichkeitsarbeit, Information, Vorträge und Seminare das Problem der weiblichen
Genitalverstümmelung allgemein bekannt zu machen und zu bekämpfen. Wir setzen uns z. B. ein für: "Ferien ohne FGM" "Schutz unserer Töchter und Frauen" "Nein zu Gewalt gegen Frauen und Kinder". Was ist FGM? Der Begriff weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM)
bezeichnet die vollständige oder teilweise Entfernung der weiblichen Schamlippen und Klitoris.
WHO Klassifikation und Grundformen der FGM Es gibt verschiedene Formen weiblicher genitaler Beschneidung und die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
unterscheidet vier Grundformen der Genitalverstümmelung bei Frauen: Sunna-Beschneidung Klitoridektomie
Exzision Infibulation. Typ I: Sunna - Beschneidung. Hier wird die Vorhaut der Klitoris, oft aber auch die Klitorisspitze, abgetrennt. Oft wird die Sunna - Beschneidung religiös motiviert und auf den Propheten Mohammed zurückgeführt.
Allerdings wurde die Sunna – Beschneidung schon lange vor Mohammed praktiziert.In den meisten Traditionsgesellschaften Afrikas wird diese Form der Beschneidung als zu mild angesehen. Traditionell wird die Klitoridektomie und
Exzision oder Mischungen dieser beiden Formen bevorzugt. Typ II und Typ III: Klitoridektomie und Exzision.
Diese Typen bedeuten teilweise oder vollständige Amputation / Herausschneiden der Klitoris, der äußeren und/oder inneren Schamlippen, wobei die Übergänge
fließend sind. Außer von der Tradition hängt das in der Praxis auch von der Geschicklichkeit der Operateurin und dem Widerstand des Kindes oder der Frau ab. Typ IV: Die Infibulation. Die Infibulation wird auch als pharaonische oder sudanesische Beschneidung
bezeichnet. Sie unterscheidet sich letztlich darin, wie viel Körpersubstanz entfernt wird. Hier wird die gründliche Exzision durchgeführt verbunden mit einem operativen Verschließen der Vulva um den Vaginaleingang. Dabei wird
die vaginale Öffnung oft auf ein Loch von etwa der Größe eines Streichholzes reduziert, das nur den langsamen Abfluß von Urin und Menstruationsblut erlaubt. Diese Form macht ungefähr 15 % aller Genitalverstümmelungen aus.
In Ländern wie Sudan, Somalia oder Djibuti erleiden jedoch 80 - 90 % der Frauen die Infibulation.
Defibulation Als Defibulation bezeichnet man die notwendige Auftrennung der verwachsenen Genitalien zur Ermöglichung des Geschlechtsverkehrs und der Geburt.
Reinfibulation
Reinfibulation ist das erneute Vernähen des losen Gewebes nach einer Geburt. Verbreitung der FGM Nach Angaben der WHO sind gegenwärtig weltweit ca. 150 Millionen Mädchen und Frauen – vorzugsweise Afrikanerinnen - verstümmelt.
Derzeit kommen jährlich 2 Millionen oder 6000 täglich hinzu. Tabelle: Abschätzung von FGM Opfern laut Angaben und Statistiken von der Weltgesundheitsorganisation, WHO, und der Vereinten Nationen, UN
Land |
Weibliche Bevölkerung |
Rate in % |
Zahl der FGM Opfer |
Benin |
2 730 000 |
50 |
1 365 000 |
Burkina Faso |
5 224 000 |
70 |
3 656 800 |
Cameroon |
6 684 000 |
20 |
1 336 800 |
Central African Rep. |
1 767 000 |
43 |
759 810 |
Chad |
3 220 000 |
60 |
1 932 000 |
Côte d'Ivoire |
7 089 000 |
43 |
3 048 270 |
Dem Rep of Congo |
22 158 000 |
5 |
1 107 900 |
Djibouti |
254 000 |
98 |
248 920 |
Egypt |
28 769 000 |
97 |
27 905 930 |
Eritrea |
1 777 000c |
90 |
1 599 300 |
Ethiopia |
2 087 000 |
85 |
1.800 000 |
Gambia |
496 000 |
80 |
396 800 |
Ghana |
8 784 000 |
30 |
2 635 200 |
Guinea |
3 333 000 |
60 |
1 999 800 |
Guinea-Bissau |
545 000 |
50 |
272 500 |
Kenya |
13 935 000 |
50 |
6 967 500 |
Liberia |
1 504 000 |
60 |
902 400 |
Mali |
5 485 000 |
94 |
5 155 900 |
Mauritania |
1 181 000 |
25 |
295 250 |
Niger |
4 606 000 |
20 |
921 200 |
Nigeria |
64 003 000 |
40 |
25 601 200 |
Senegal |
4 190 000 |
20 |
838 000 |
Sierra Leone |
2 408 000 |
90 |
2 167 200 |
Somalia |
5 137 000 |
98 |
5 034 260 |
Sudan |
14 400 000 |
89 |
12 816 000 |
Togo |
2 089 000 |
50 |
1 044 500 |
Uganda |
10 261 000 |
5 |
513 050 |
United Rep of Tanzania |
15 520 000 |
10 |
1 552 000 |
Total |
237859000 |
136 797 440 |
136 Millionen Töchter und Frauen ! Bitte bedenken Sie: Auch bei den in Berlin und Deutschland lebenden Afrikanern gibt es FGM. Deshalb setzen wir uns für „Ferien ohne FGM“. Der Akt der Genitalverstümmelung
Meist werden mehrere Mädchen - Schwestern, nahe Verwandte oder Nachbarn - gleichzeitig beschnitten.Einige Mädchen sind während der Verstümmelungszeremonie alleine.
Ist die FGM Teil einer Initiationszeremonie, wie bei Kulturen in Ost-, Zentral- und Westafrika, wird sie üblicherweise an Mädchen einer Altersgruppe vorgenommen.
Die Prozedur findet meist im Haus des Mädchens, der Verwandten oder Nachbarin, in einem Gesundheitszentrum statt. Bei Initiationen an speziell dafür ausgesuchten Orten während der Schulferien
Durchgeführt wird die „Zeremonie“ von älteren Frauen, traditionellen Hebammen, Heilerinnen, Barbieren, ausgebildeten Geburtshelferinnen oder - sehr selten von Ärzten.
Das Mädchen wird üblicherweise von älteren Frauen festgehalten, Ihre Beine sind gespreizt und sie kann sich nicht bewegen.
Glasscherben, Deckel von Konserven, Scheren, Rasierklingen dienen in der Regel als Schneidwerkzeug. Bei Infibulationen halten Dornen die großen Schamlippen zusammen. Die Beine werden bis zu 40 Tage zusammengebunden.
Nur bei Reichen wird die Verstümmelung zuweilen in einem Spital durch einen qualifizierten Arzt unter Total - oder Lokalanästhesie durchgeführt. Das Alter, in dem die Verstümmelung vorgenommen wird, variiert vom Säugling bis zur erwachsenen Frau. Nach Angaben der WHO beträgt das Durchschnittsalter etwa 4 Jahre.
Wieso wird die FGM praktiziert?
Die Gründe sind für Menschen der westlichen Welt nicht leicht zu verstehen.
Sie wurzeln tief in der Tradition der betroffenen Völker und Ethnien. Die FGM geht auf die vorislamische und vorchristliche Zeit zurück, obwohl der Brauch oft religiös begründet wird.
Das Ritual markiert für Mädchen in manchen Kulturen den Übergang von der Kindheit in das Erwachsenenalter. In vielen Gesellschaften ist der Glaube, daß dadurch die sexuelle Lust der Frau und somit auch das Risiko
eines außerehelichen Geschlechtsverkehrs verringert würde, einer der Hauptgründe für die FGM. In einigen Kulturen ist auch das gesteigerte Lustempfinden des Mannes der Grund für die Verstümmelung.
Richtig ist wohl auch, daß die Männer die Kontrolle über die Sexualität der Frau und ihre Fortpflanzungsfunktion aufrechterhalten wollen.
Daneben gibt es auch ökonomische Gründe, z. B. finden unbeschnittene Mädchen in vielen Regionen keinen Ehemann und "Operateurinnen" wollen weiterhin Geld verdienen. Folgen der FGM Unmittelbare Folgen
¨ Schmerzen oder Blutungen als unmittelbare Folge der Operation können zu Schockzuständen
führen, Schäden an den Organen rund um die Klitoris und die Schamlippen können auftreten.¨
Die Folgen der FGM können mitunter tödlich sein. ¨ Lebensgefährliche Blutvergiftungen oder Tetanus.
Spät und Langzeitfolgen
Die meisten Informationen werden erst lange nach der Verstümmelung gesammelt.
Einziger "Zeuge" ist dann meist die Erinnerung der Frauen und ihre Einschätzung der Folgeschäden.
¨ Durch den Gebrauch desselben Instruments bei verschiedenen Mädchen ohne vorherige
Sterilisation ist das Risiko einer HIV und Hepatitis Infektion hoch. ¨
Verletzungen im Genitalbereich ziehen Verwachsungen, harte Narbenbildung und chronische Entzündungen nach sich. ¨
Ein Leben in dauernden Schmerzen (auch beim Geschlechtsverkehr, Harnlassen und der Menstruation) ist für viele beschnittene Frauen eine unausweichliche Realität. ¨ Infibulierte Frauen haben regelmäßig Probleme während der Geburt. Häufig sind Geburtsbedingte Todesfälle Mutter oder Kind auf die FGM zurückführen.
¨ Die Sterberate liegt bei der schwersten Form der Verstümmelung bei 30 %. ¨
Psychologische Auswirkungen und soziale Konsequenzen sind kaum zu unterschätzen, gerade für Frauen, die später immigrieren.
Zwischenbilanz
Lieber Leser -Hand aufs Herz- ist Ihnen mulmig geworden? Sind Sie traurig oder hilflos? Oder von Entsetzen gepackt?
Dann geht es Ihnen so wie den meisten Menschen (und auch uns), bei der erstmaligen vertiefenden Konfrontation mit diesem Thema.
Lieber Leser, Frau oder Mann - sind Sie im zweiten Schritt empört, verspüren Sie das starke Gefühl
"so kann das nicht weitergehen" und "das muß man (ich) bekämpfen", dann denken und fühlen Sie so wie wir. Jeder einzelne Fall von erfolgter oder drohender FGM ist ein Fall zuviel.
Entschuldigen Sie bitte, daß wir Ihnen auch unangenehme Gefühle verursacht haben. Noch mehr als Ihnen gilt unser Mitgefühl den wirklichen oder potentiellen Opfern der FGM.
Nur eine sachgerechte, Tabu lose Darstellung der wesentlichen Fakten über FGM kann das Bewußtsein der Menschen adäquat erreichen. Jede Verharmlosung, Verdrängung oder Tabuisierung des Themas ist schädlich.
So denken und handeln auch viele Menschen und Organisationen (z. B. Regierungen, WHO, UN, Kirchen, Menschenrechts- und Frauenorganisationen) mit langjährigen Erfahrungen beim Kampf gegen Genitalverstümmelung.
Nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, daß FGM von vielen der oben aufgezählten Organisationen als Verletzung elementarer Menschenrechte und Rechte der Kinder angesehen wird. FGM, die westliche Welt, Deutschland und Berlin
Mit der rapide zunehmenden Globalisierung und Einwanderung ist das oftmals verdrängte "afrikanische" Problem in die unmittelbare Nähe gerückt.
Die Immigrantinnen aus Afrika geraten als erstes in den Blick, wenn man nach der Relevanz des Themas für die westliche Welt und Deutschland fragt.
Heutzutage ist es Pflicht der westlichen Welt, FGM weltweit in Afrika und bei sich Zuhause zu bekämpfen. Die Beschneidung/Verstümmelung von Mädchen wird in Deutschland als gefährliche bzw. als schwere
Körperverletzung (nach §224 StGB bzw. § 226 StGB) mit bis zu 10 Jahren Gefängnis verfolgt und bestraft. Stirbt ein Mädchen in Folge der Verstümmelung greift § 227 StGB (Verstümmelung mit Todesfolge) mit
einer Freiheitsstrafe von mindestens 3 Jahren. Unter Umgehung eindeutiger Gesetze werden z. B. in New York, Paris, London oder Berlin Mädchen/Frauen illegal verstümmelt.
Bei als sehr hoch geschätzter Dunkelziffer ist dies durch eine Vielzahl bekanntgewordener Fälle und Gerichtsprozesse belegt.
Als leider (schwer zu vermeidende) negative Folge der Gesetzlage ist es in
Einwanderungsfamilien weit verbreitet, ihre Töchter in die afrikanischen Heimatländer zu bringen, um dort der Tradition folgend die FGM Prozedur durchführen zu lassen.
Die Zahl derartiger Opfer schätze ich als erschreckend hoch ein.
In den afrikanischen Communities in Berlin ist dieser Brauch durchaus bekannt, es wird wenig darüber geredet, offiziell gar nicht.
Ich komme aus Sierra-Leone, wo 90% der Frauen FGM Opfer sind und weiß darüber Ansatzweise Bescheid (auch weil ich Ärztin bin).
Erahnen Sie bitte die Probleme, die ein in Berlin oder Deutschland lebendes FGM Opfer in der Schule, in der Pubertät, beim Suchen eines Mannes und beim Kinderkriegen haben kann. Dieses sehr schwerwiegende Problem haben wir in Berlin und Deutschland. Ich denke, dagegen sollte mit hohem Einsatz vorgegangen werden. Mitdenken und Mithandeln ist gefragt.
Im Rahmen eines wirkungsvollen und umsichtigen Einsatzes gegen FGM sind nach meiner Meinung allererste Afrikaner Afrikanische Communities und Botschaften Ansprechpartner:
Gefordert sind auch Frauenorganisationen und Politik (in Berlin der Senat). Für staatliche und nicht staatliche deutsche Organisationen (auch Presse) ist nach meiner Meinung Zurückhaltung geboten.
Zu direkte Einmischung bei diesem auch unter Schwarzen äußerst sensiblen und schwierigen Thema könnte gut in die falsche Richtung gehen. Mit Mitgliedern afrikanischer Communities habe ich schon in zahlreichen
sehr anstrengenden, persönlichen Diskussionen gesprochen und auch gestritten. Ich sage ihnen z. B.:
Es ist nicht gut für die nächste Generation mit FGM in Deutschland aufzuwachsen. Da gibt es entscheidende Unterschiede zur Generation der Immigranten.
Die Erziehung in Tradition halte ich für gut vertretbar in vielen Bereichen wie z. B. Musik, Tanz, Religion.
Aber bitte, bitte denkt nach über die FGM Tradition:Eure Töchter müssen doch in Berlin leben und aufwachsen.
Ihr wißt doch auch, daß kaum ein Afrodeutscher wieder nach Afrika zurückgeht.
Zusammenfassend ist mein Eindruck
Mein Vorschlag "Ferien ohne FGM" und meine Diskussionsbeiträge dazu werden weitaus, weitaus eher akzeptiert verglichen mit Kampagnen gegen FGM in afrikanischen Heimatländern.
Das gilt insbesondere, wenn eine Afrikanerin
(genauer Afrodeutsche) mit ihnen redet. Fast alle sagen selbst, daß sie bei „Weißen“ blockieren würden oder sogar aggressiv werden könnten.
Es gibt zahlreiche Kampagnen gegen FGM, sowohl von afrikanischen als auch deutschen und internationalen Organisationen. Es ist jedoch anstrengende Knochenarbeit, Afrikaner und deren Communities wirklich zu überzeugen. Ich
glaube, daß schwarze Frauen eine bessere Chance als jede von Weißen angeführte Organisation haben.
Das Konzept enthält als nahezu unabdingbare Komponente, mit den Afrikanern und deren Communities in Partnerschaft zu diskutieren und auch notwendiger weise zu streiten. Bedenken Sie bitte, daß in Afrika die Gesellschaften über das FGM Traditionsproblem in sehr harter und
langlebiger Art und Weise zerstritten sind. Dabei sind Todesdrohungen und Mord keineswegs selten.Dieser traditionelle Streit bildet sich auch auf die in Berlin, Deutschland und der westlichen Welt lebenden
Afrikaner und deren Communities) fast naturgemäß ab. In etwas milderer Form, von Morden ist mir nichts bekannt. Das ist eine Tatsache, die man bei keiner Anti FGM Kampagne vergessen sollte. Ich möchte noch einmal meine klare Meinung betonen: Schwarze Frauen, die sich gegen FGM einsetzen, haben es schwer genug, die Afrikaner und deren Communities wirklich zu erreichen.
Nichtschwarze „Katalysatoren“ haben da kaum eine Chance; sie laufen in die ganz konkrete Gefahr, daß die eigentliche Zielgruppe abblockt oder gar aggressiv wird.
Ich kann da mehr oder minder nur als eine Art notwendiger Katalysator wirken. Längerfristige Bewußtseinsbildung innerhalb der afrikanischen Communities ist gefordert.
Bedenken Sie dabei bitte, daß die Afrikaner in letzten 100 Jahren auch ungute Erfahrungen mit Weißen hinter sich gebracht haben. Weiterhin müssen die meisten Afrikaner in Berlin und Deutschland mit einer ganzen Reihe elementar
wichtige Probleme kämpfen. Zusätzlich behalten Afrikaner und Afrodeutsche sehr feste Bindungen zu ihren Großfamilien in Afrika, die sie in der Regel auch finanziell unterstützen.
Vielen Mitgliedern von Großfamilien in Afrika wird nur so die Chance auf Schule und Ausbildung gegeben. Nicht wenige werden so schlicht vor dem Verhungern gerettet. Fast genau so wichtig wie die Verhinderung von FGM ist eine Beratung und Betreuung bei den schwerwiegenden Spätfolgen von FGM Opfern. In Deutschland leben über 40 000 ausländische Frauen aus afrikanischen Ländern.
Genaue Zahlen stehen zur Zeit nicht zur Verfügung, aber die Zahl der FGM Opfer unter diesen Frauen ist als hoch einzuschätzen. Das legen die hohen Prozentzahlen der in der Tabelle angeführten FGM Opfer in afrikanischen Ländern
nahe. Berlin ist Deutschland-weit das Zentrum der afrikanischen Immigrantinnen. Allein in Berlin leben über 6000 afrikanische Frauen. Wegen der vielen illegal lebenden, nicht gemeldeten Einwanderer ist diese Zahl
nur eine untere Grenze. Auch deshalb wurde unser Projekt, als erstes dieser Art, lokal in Berlin angesiedelt.
Ziele und Aufgaben des „Deutsch - Afrikanisches Frauen Netzwerkprojekt“ auf dem Gebiet der FGM
Wir halten es für notwendig, gleichzeitig auf zwei Ebenen zu wirken, der informativen und der beratenden Ebene.
Auf der informativen Ebene: Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung, da das Informationsdefizit über FGM allgemein in Deutschland sehr
groß ist. Diese Broschüre ist ein Beitrag zur Aufklärung.Bekanntmachung des FGM Problems durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit mit z. B. Frauenorganisationen, Politikern und allen Medien.
Dabei kooperieren wir eng mit den afrikanischen Communities, um eine "Skandalisierung" des Traditionsproblems FGM zu verhindern.
Das bisherige Medieninteresse ist sehr groß, mehr als 20 Berichte, Sendungen, Vorträge wurden in den letzten 3 Monaten veröffentlicht.
Publikationen über FGM und unser Projekt, Vorträge, Veranstaltungen und Seminare gehören zu unseren Aufgaben.
Als Zielgruppen möchten wir hervorheben:
¨ Afrikaner und deren Communities ¨ Politiker, Frauengruppen, Kirchen, Familienverbände, Eltern ¨ Relevante Berufsgruppen wie Ärztinnen, Pflegepersonal, Hebammen Lehrer, Sozialpädagogen, Mitarbeiterinnen im Asylbereich und Juristinnen.
Wir betonen, daß diese Zielgruppen gleichzeitig unsere Partner sind.
Für ausgesuchte Zielgruppen bieten wir Informationen in Form von Vorträgen, Diskussionsabenden, Workshops und Videovorführungen an.
Auf der beratenden Ebene:
- Aufklärung und Beratung durch
Afrikanerinnen für Afrikanerinnen
und anderen Interessierten in verschiedenen Sprachen, z. B. Deutsch, Englisch, Creol, Russisch und ethnischen Sprachen wie Temne.
- Gezielte Beratung und Aufklärung von afrikanischen Communities/Verbänden in Deutschland. Eine wesentliche Zielgruppe sind Mädchen und Frauen, die Opfer von FGM sind oder es werden können.
- Wir bieten sachkundige allgemeine Gesundheitsberatung durch eine afrikanische Ärztin an. Speziell auch über FGM. Diskrete und respektvolle Beratung für Einzelpersonen. Wir vermitteln ärztliche
Behandlung und Betreuung und auch Krankenhauseinweisungen.
- Wir bieten / vermitteln rechtliche Beratung über Asyl und wirken dafür, daß drohende Genitalverstümmelung in Deutschland als Asylgrund anerkannt wird.
- Wir sind flexibel, mobil und kommen auch zu Ihnen nach Hause/zu ihrer Organisation.
- Wir legen extrem großen Wert darauf, unsere Aufgaben und Ziele in einem möglichst
ausgedehnten Netzwerk mit deutschen und afrikanischen Personen, Organisationen, Beratungsstellen, mit den Medien zu verfolgen.
Ein zentrales Ziel dieser Netzwerkbildung ist die effektive Vermittlung der vielen Problemfälle in unser Beratungstätigkeit zu den wirklich zuständigen Experten, Organisationen oder Behörden.
- Es geht vorrangig um die schwierige Integration von Afrikanern.
Zum Schluss einige Kernaussagen, unser Dankeschön und Bitteschön Wir wollen die Genitalverstümmelung und ihre schwerwiegenden gesundheitlichen, psychischen und sozialen Folgen zum Schutz unserer Töchter und Frauen bekämpfen und lindern.
Genitalverstümmelungen sind Verletzungen von Menschenrechten und der Rechte von Kindern und haben daher öffentliche und nicht nur private Bedeutung. Wir setzen uns ein für: "Ferien ohne FGM"
"Schutz unserer Töchter und Frauen" Nein zu Gewalt gegen Frauen und Kinder. „Konkrete Förderung der Integration von Afrikanern“.
Jeder einzelne Fall von erfolgter oder drohender FGM ist ein Fall zuviel.Unsere Aufgaben und Ziele verfolgen wir im Netzwerk/Vermittlung mit/zu deutschen und afrikanischen
Einrichtungen, Beratungsstellen, Organisationen und Personen.
Nur gemeinsam im Netzwerk können wir konkrete Verbesserungen bei den seit vielen Jahren andauernden Integrations- und FGM Problemen erzielen. Falls unser Projekt Sie anspricht, unterstützen Sie bitte afrikanische Frauen, die sich für afrikanische Frauen einsetzen. Durch Ihre Mitarbeit oder durch Spenden.
Mein besonderer Dank gilt den warmherzigen und erfahrenen Frauen von Frauenorganisationen, Senat und Bezirksämtern. Sie wissen fast besser als ich warum.
Vielen herzlichen Dank an meine vielen Freunde für sehr wertvolle Unterstützung in vielen Belangen.
Liebe Leserin, lieber Leser vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Ihre Mariatu Rohde |