Einsatz für
Ferien ohne Genitalverstümmelung

FGM in Deutschland

Das Vorkommen von FGM in Deutschland hat im wesentlichen zwei Ursachen:

    ¨ Immigrantinnen wandern mit FGM nach Deutschland ein.

    ¨ In Deutschland geborene und aufwachsende Töchter werden, z. B. in den Ferien oder im Urlaub in die afrikanischen Heimatländer gebracht, werden dort verstümmelt und dürfen dann in Deutschland weiterleben.

Die zweite Möglichkeit kann als eine leider unvermeidbare Folge der Rechtslage in Deutschland und der westlichen Welt dargestellt.

Als leider (schwer zu vermeidende) Umgehung der eindeutigen Verbote, FGM in Deutschland durchzuführen, geschieht folgendes:

Es ist in Einwanderungsfamilien weit verbreitet, daß Eltern ihre Töchter in den Ferien oder im Urlaub in die afrikanischen Heimatländer zu bringen, um dort - der Tradition folgend - die FGM Prozedur durchführen zu lassen.

Die Zahl derartiger Opfer schätze ich als erschreckend hoch ein.

 

Zur FGM Prozedur in den "Ferien"

Konkret kann ein Vorgang zur FGM Prozedur an Töchtern unter verschiedenen Rahmenbedingungen ablaufen.

  • Die Tochter wird von mindestens einem Elternteil (meist der Frau) in den Ferien nach Afrika mitgenommen (oder geschickt) mit der

bewußten Absicht, FGM durchführen zu lassen.

  • Elternteile mit mehr oder minder indifferenter Meinung über FGM fahren in den Ferien mit der Tochter nach Afrika.
  • Dort sorgt die Großfamilie, insbesondere die für diese Tradition zuständige, übermächtige Großmutter, für die Einhaltung der FGM Tradition.

    Die Eltern haben nicht genug Kraft und noch entscheidender, nicht genug Bewußtsein, sich dagegen zu wehren.

  • Ohne Einverständnis der Eltern und in deren Abwesenheit sorgt die Großmutter und die Großfamilie für die oft heimlich vorbereitete Durchführung der FGM Prozedur an der Tochter.

Bewußte Eltern können Letzteres verhindern indem Sie die Tochter bei Afrika Besuchen nie alleine lassen.

Eine in Berlin lebende Mutter aus Somalia sagt das so: In Somalia binde ich mir meine Tochter fest ans Bein.

 

Anstrengende Gespräche

Die Gespräche (meist in Englisch oder Creol) mit FGM Opfern sind sehr anstrengend und erfordern einen tiefgehenden afrikanischen sozio - kulturellen Hintergrund.

Wir hatten bei fast allen Gesprächen mit von FGM betroffenen oder FGM unterstützenden Frauen das klare Gefühl, daß sich die Frauen mental in ihre afrikanischen Heimatländer zurück versetzten.

Die FGM Geschehnisse haben sie in ihrer frühen Kindheit erlebt und meist bis heute mehr oder minder verdrängt Das wird gefördert durch eine Umgebung, die auch verdrängt. Die Afrikaner sprechen nicht gerne über FGM.

Das Schwierige ist nun, die Verdrängung dieser Frauen in vorsichtigster Weise auf zu brechen. Das kann ein langes mehrfach wiederholtes Ringen sein.

Wir sind leider gezwungen, ihre Verdrängung aufzubrechen, da es

ganz wesentlich auch um ihre Töchter geht.

Deshalb versuche ich, das Gespräch so zu lenken, daß sie die Begriffe

    FGM, Töchter, Berlin und Deutschland im Hier und Jetzt ansiedelt.

Wenn sie dann anfängt, von sich aus über FGM, Töchter und Berlin zu reden und Fragen mit uns zu besprechen, dann fühlen wir uns gut.

Ein entscheidender Anfang ist geschehen.

 

Ziele und Aufgaben

Hauptziel unseres Einsatzes für "Ferien ohne FGM" ist die Verringerung von FGM und damit gleichzeitig die Förderung der Integration.

DAFNEP hat für diesen Einsatz ein klares Konzept entwickelt, daß durch folgende Aufgaben und Aussagen umrissen wird.

  • In Deutschland lebende Afrikaner sind betroffen.
    Unser Einsatz hat den kaum zu überschätzenden Vorteil, daß schwarze Frauen mit Afrikanern darüber reden und streiten und voneinander lernen.
     
  • Denn im DAFNEP Konzept sind die aller wichtigsten Zielgruppen Afrikaner und afrikanische Communities auch unsere wichtigsten und erreichbaren Partner.
     
  • Parallel dazu ist ausgedehnte Vernetzung, gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Mitarbeit auf deutscher Seite bis hin zu der Frage zur Klärung von Gesetzeslücken unverzichtbar.
     
  • Dieses fördert die Bewußtseinsbildung und erbringt für unseren Einsatz gegen FGM und für Integration sehr konkrete Realisierungsmöglichkeiten und bessere Erfolgsaussichten.
     
  • Wie ich in meinem Buch dargelegt habe, bewirkt ein erfolgreicher Einsatz gegen FGM in der westlichen Welt auch eine Verringerung von FGM in Afrika.

Fast genau so wichtig wie die Verhinderung von FGM ist eine verständnisvolle Beratung und Betreuung bei den schwerwiegenden Spätfolgen von eingewanderten oder in Deutschland geborenen FGM Opfern.