Über das Erreichen von Afrikanern Vor
etwa einem Jahr fing ich an, das Tabu zu brechen und mit Afrikanern gezielt und systematisch über FGM zu sprechen. Wo immer ich Afrikaner traf, auch auf Hochzeiten. Über FGM in Deutschland und nicht über die 2000 Jahre alten FGM
Traditionen in Afrika. Mein zusammfassender Eindruck Zuerst möchte ich sagen,
daß ich dankbar und auch etwas erstaunt bin, daß mein afrikanisch - afrikanischer Dialog so erfolgreich angenommen wird. Aber: Das Ansprechen und Erreichen von Afrikanern gelingt praktisch nur, wenn die
ansprechende Person einen tiefgehenden afrikanischen sozio - kulturellen Hintergrund mitbringt. Das allein ist leider noch nicht
ausreichend. Die schwarze Person muß weiterhin bei den Afrikanern anerkannt sein und einen festen Willen und Durchsetzungskraft einbringen. Sonst wird sie zu oft "abgewimmelt", weil das Thema sehr viel lieber
verdrängt wird. Von kaum zu überschätzender Wichtigkeit ist, daß die wichtigsten Zielgruppen der Unentschiedenen und sogar der FGM Befürworter (der
sogenannten Traditionalisten) zu Diskussionen bereit sind, wenn sie richtig und hartnäckig angesprochen werden. Diese
Diskussionen und die Bildung von Bewußtsein in genau diesen Gruppen ist ja das optimal erreichbare und zentrale Ziel unseres Einsatzes und Konzepts.Schwarze müssen die Kampagne gegen FGM und für Integration anführen Einhellig, mit
Begeisterung und fast über deutlich wird von den Schwarzen der Umstand bewertet, daß der Einsatz gegen FGM von einer schwarzen Schwester angeführt wird. In vielen
Gesprächen betonen die schwarzen Partner, daß sie es gut finden, endlich den Dialog über FGM in die Communities zu tragen. Die Zeit sei reif, darüber zu sprechen und nicht mehr zu verdrängen und zu schweigen.Sie sprechen ihre
Anerkennung darüber aus, daß erstaunlich viele Schwarze mit uns diskutieren und uns unterstützen. Sie erkennen den regen Besuch und die lebendigen Diskussionen bei unseren Veranstaltungen an. Folgende Kommentare kennzeichnen die Stimmung:
So viele Brüder und Schwestern kommen zu Euch, und alle pünktlich, das ist einfach unglaublich. Die Kontakte quer durch die Communities sehen Sie als
extrem wertvoll an. Die jetzige Situation ist doch so: Wir haben ein klares, sehr erfolgversprechendes Konzept und das kommt von uns. Das Gute daran ist, daß das von einer Schwarzen
kommt. Das ist unheimlich gut. Das ist für mich der wichtigste Punkt. Ganz wichtig ist, daß das Anpacken des FGM Themas von uns Schwarzen ausgeht. Angesichts derartiger Unterstützung ist eine längerfristige Bewußtseinsbildung gegen FGM innerhalb der Afrikaner und der afrikanischen Communities durchaus realistisch geworden.
Über von Weißen angeleitete Kampagnen gegen FGM Weiße Frauen und Männer haben beim Ansprechen und Erreichen von Afrikanern kaum eine Chance. Sie laufen in die
ganz konkrete Gefahr, daß die eigentliche Zielgruppe im besten Fall nur freundlich ist oder abblockt oder aggressiv wird. Von Weißen angeleitete Kampagnen gegen FGM und für Integration mobilisieren sicherlich die deutsche
Öffentlichkeit und vielleicht auch noch einige fortschrittlich denkende Afrikaner. Die Kampagnen mögen sinnvoll sein, sind aber nicht wirkungsvoll genug.
Denn die entscheidende Gruppen der FGM befürwortenden oder praktizierenden Traditionalisten werden dadurch in aller Regel nicht erreicht. Eine
von Weißen angeleitete Kampagne wird von dieser Gruppe von Afrikanern als nicht kompetente und unerwünschte Einmischung in afrikanische Traditionen angesehen und abgeblockt.Derartige von den Weißen gutgemeinte
Kampagnen können sogar sehr leicht in die falsche Richtung gehen. Da kommen natürlich auch die zum Teil sehr unguten Erfahrungen ins Spiel, die Schwarze
mit oder unter Weißen in den letzten 200 Jahren erlebt haben. Diese Erfahrungen sitzen tief in jedem Afrikaner, egal wo er lebt. Diese Gefahr wird auch
von der Evangelischen Kirche mit lang andauernden Erfahrungen im Einsatz gegen FGM sehr deutlich gesehen. Diese Auffassung ist niedergelegt in der lesenswerten Schrift „Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen. Eine kirchliche
Stellungnahme“, das in unserem Literaturverzeichnis zitiert wird. Jedoch: Weiße Frauen, Männer und Institutionen sind in vielerlei Hinsicht gefragt. Mehr im Hintergrund, aber notwendig wichtig. So zum Beispiel durch: Unterstützung in
finanzieller Hinsicht, wertvolle Mithilfe durch ehrenamtliche Tätigkeit, Mithilfe zur effektiven Organisation, politische Maßnahmen und vorsichtige Öffentlichkeitsarbeit. Konsequenz für unsere Öffentlichkeitsarbeit Auch aus den oben dargestellten Gründen haben
wir die Strategie für die Bekanntmachung und Öffentlichkeitsarbeit unserer Einsätze für Integration und gegen FGM von Vornherein zweigleisig betrieben.
A) Für Afrikaner.
Die nahezu Sucht - ähnliche Vorliebe der Afrikaner für das
Telefonieren bewog uns, gleich zu Beginn des Projekts eine Telefonaktion zur Bekanntmachung der neuen Beratungsstelle für afrikanische Frauen zu starten.
Also, Frau oder Mann werden gebeten, möglichst viele ihrer Freunde
anzurufen und die wiederum ihre Freunde und so fort. So verbreitet sich die Nachricht über unser neues Projekt im Schneeballsystem und unter Umgehung von Sprachschwierigkeiten innerhalb der Afrikaner in Berlin.
Diese Aktion nennen wir „Call and tell a friend“.
Der weitaus mühevollere Teil der Informations – und – Aufklärungsarbeit geschieht dann durch persönlichen Einsatz vor Ort bei den Afrikanern bei
deren Festen, Hochzeiten und bei Treffen der Communities. B) Für Deutsche.
Deutsche telefonieren vielleicht nicht so gern wie Afrikaner, haben aber andere Vorzüge wie E-Mail, Internet und Zeitung lesen.
Also, zum Erreichen und Informieren der
Deutschen haben wir bei DAFNEP vorzugsweise Medien, unsere Website, E-Mails und die Deutsche Post genutzt.
Allerdings, die Arbeit an der Website kommt auch den Afrikanern zugute.
Fast alles, was hier drin steht, wird den Afrikanern durch persönlichen Einsatz vor Ort übermittelt. Dazu dienen Gespräche, gezielte Veranstaltungen und Vorträge, Verteilung von Schriften und Broschüren in den Communities und auf
Treffen und Festen. Weiterhin planen wir, in naher Zukunft (mindestens) zwei Links unserer Website für Afrikaner zu reservieren. Ein Link für Öffentlichkeitsarbeit der
Communities. Das zweite Link ist den Meinungen von Einzelpersonen vorbehalten.
Wir wirken auch darauf hin, das Ansprechen der Afrikaner von Deutschen zu erleichtern. Die zuständigen deutschen Stellen können doch nicht mit Dutzenden afrikanischen
Communities einzeln verhandeln. Zum eigenen Vorteil müssen sich die Communities koordinieren. Seit Jahrzehnten fehlen den Deutschen
afrikanische Ansprechpartner, die auch nur Ansatzweise im Namen der Afrikaner in Berlin oder Deutschland sprechen können.
Die gemeinsame Nutzung der DAFNEP Website wäre ein Anfang.In meinem Buch wird dieses entscheidend wichtige Ansprechen und Erreichen von Afrikanern in detaillierter und reflektierter Weise dargestellt. Auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Koordination der Meinungen der Communities werden behandelt. |